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»Eine Winterreise« D 911, op. 89

Sa. 20. November 2021 | 16:00

Komponiert von Franz Schubert (1797-1828) nach den »Wanderliedern« von Wilhelm Müller (1794-1827). Schubert vertonte die Gedichte Müllers in zwei Etappen: 1823 die ersten 12 und 1827 weitere 12 Gedichte, die er erst später entdeckte und von denen er 1823 noch nichts wusste.

Die Winterreise ist ein Denkmal des Kunstliedes, ein Standard. Aus der Entstehungsgeschichte ergibt sich, dass Schubert bei diesem Liederzyklus keine stringente „Handlung“ im Sinn hatte. Anders als Die schöne Müllerin erzählen sie keine Geschichte; es handelt sich um eine Reise nur auf der psychischen Ebene: „Der einzige Fortschritt des Wanderers ist ein Fortschritt der Erkenntnis, die quälerische, von Rückfällen bedrohte Ablösung von seinen Erinnerungen … Immerfort auf der Suche nach Bestätigungen seines Zustandes, beobachtet er mit überwacher, schmerzend scharfer Sensibilität, bezieht als egozentrischer Melancholiker alles auf sich bzw. wählt die Objekte so, daß sie als Spiegelbilder und Bestätigungen taugen“ (P. Gülke). Insofern ist die Reihenfolge der Lieder nicht entscheidend, denn „jede der erlebten Melancholien ist die jeweils schlimmste“ (Gülke).

Durch das Zeugnis seiner Freunde sind wir berechtigt, dieses „Psychogramm eines melancholischen Charakters“ auf Schubert selbst zu beziehen. Wenn Nikolaus Harnoncourt einmal das grenzenlos Subjektive als das Entscheidende an Schuberts Musik bezeichnete, so hat es in der „Winterreise“ seinen Höhepunkt erreicht. Der Schubert-Freund Johann Mayrhofer interpretierte den Zyklus als ein Zeugnis dafür, „wie der Tonsetzer ernster geworden. Er war lange und schwer krank gewesen, er hatte niederschlagende Erfahrungen gemacht, dem Leben war die Rosenfarbe abgestreift; für ihn war Winter eingetreten. Die Ironie des Dichters, wurzelnd in Trostlosigkeit, hatte ihm zugesagt; er drückte sie in schneidenden Tönen aus.“ Der Winter und die Reise des Titels sind demnach im Sinne romantischer Ironie als Lebenswinter und als Reise immer tiefer ins Unglück zu verstehen, die niemand anderer als der Tonsetzer selbst durchlebt. Seine Gefühle sind dabei abgeschlossen von der Umgebung; sie rechnen nicht mit Verständnis seitens der Freunde. Die Welt des Melancholikers ist in sich kreisend und hermetisch.

(aus: Kammermusikführer Villa Musica; der vollständige Text findet sich > hier)

Ausführende: Benjamin Schneider (Tenor) | Hans Hermann Jansen (Klavier)

Das Konzert ist ein besonderes Dankeschön an alle Ehrenamtler, die seit vielen Jahren der Kulturstiftung zur Seite stehen und tatkräftig mit hohem Einsatz dafür sorgen, dass die Kulturstiftung blühen und wachsen kann. Ein Eintritt wird nicht erhoben, stattdessen wird im Anschluss um Spenden zur Förderung des Ehrenamts und der Kulturstiftung gebeten.

Details

Datum:
Sa. 20. November 2021
Zeit:
16:00

Veranstalter

Kulturstiftung Marienmünster
E-Mail:
service@kulturstiftung-marienmuenster.de
Webseite:
kulturstiftung-marienmuenster.de

Veranstaltungsort

Konzertsaal »Ackerscheune«
Abtei 3
Marienmünster, NRW 37696 Deutschland
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Webseite:
https://kulturstiftung-marienmuenster.de/